Glasanflug

 

Glasfassade

 

§ 44 Abs. 1 Nr. 1 BNatSchG

Grundsätzlich gilt das Tötungsverbot des § 44 Abs. 1 Nr. 1 BNatSchG individuenbezogen. Allerdings wird es nach § 44 Abs. 5 Nr. 1 BNatSchG dann nicht erfüllt, wenn sich durch den Eingriff oder das Vorhaben – nach Anwendung der gebotenen, fachlich anerkannten Schutzmaßnahmen – das Tötungs- und Verletzungsrisiko für Exemplare der betroffenen Arten nicht signifikant erhöht. Dies setzt die Bestimmung wirksamer Schutzmaßnahmen und die Festsetzung einer Signifikanzschwelle voraus, bei der davon auszugehen ist, dass die mit Einsatz von Glas verbundenen Gefahren für Vögel in einem Bereich unterhalb des normalen Lebensrisikos verbleiben. Dazu haben die Fachbehörden der Länder bundesweit abgestimmte Empfehlungen erarbeitet, die auf dieser Seite zu finden sind.
Vermeidung von Vogelverlusten an Glasflächen
Vogelschlag an Glas stellt für Vögel einen wesentlichen Mortalitätsfaktor dar. Nach einer Hochrechnung der Vogelschutzwarten der deutschen Bundesländer dürften diesem über 5 % der jährlich bei uns vorkommenden Vögel zum Opfer fallen. Davon sind nicht nur Kleinvögel betroffen. Auch größere Arten, wie zum Beispiel Waldschnepfe und Sperber kollidieren regelmäßig mit verglasten bzw. verspiegelten Bauelementen. Nach der mehrheitlichen Rechtsauffassung, sind auch die Umweltwirkungen bei der bauseitigen Verwendung von Glas anhand der artenschutzrechtlichen Bestimmungen nach § 44 Abs. 1 Nr. 1 BNatSchG zu beurteilen. Dabei kommt den Fachplanern, Bauherren bzw. Vorhabensträgern der Umstand zu Gute, dass das Wissen über wirksame Vermeidungsmaßnahmen in den letzten Jahren deutlich angewachsen ist. Es kann also eine Menge getan werden, um Schlagereignisse zu reduzieren bzw. ganz zu verhindern. Hilfreiche Hinweise zu den Hauptgefahrenquellen und zu wirksamen Vermeidungsmaßnahmen sind unter anderem auf den Seiten des Bayrischen Landesamts für Umwelt oder der Vogelwarte Sempach zu finden.

Informationen des bayerischen Landesamt für Umwelt (2019): Vogelschlag an Glasflächen
Empfehlungen der Vogelwarte Sempach: Vogelfreundliches Bauen mit Glas und Licht

Darüber hinaus hat die LAG VSW Schwellenwerte definiert, mit deren Hilfe ein artenschutzrechtliches Konfliktpotenzial erkannt werden kann. Diese Empfehlungen sind besonders gut für die Sachverhaltsermittlung an bereits stehenden Bauwerken geeignet. Bei der Planung von Gebäuden kann mit einer Checkliste und einem Bewertungsschema gearbeitet werden. Diese Fachgrundlagen versetzen Architekten und Fachplaner frühzeitig in die Lage, Situationen, in denen es zu vermehrtem Vogelschlag an Gebäuden kommen kann, zu erkennen und zu vermeiden.

Vermeidung von Vogelschag an Glas LAG VSW 19-1 (2019): in Kürze verfügbar